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Nachdem der junge Autor und Poetry-Slammer Lucas Fassnacht im vergangenen Jahr bei dem Versuch, an der Scharrer Mittelschule in Nürnberg eine AG „Kreatives Schreiben“ zu veranstalten, gescheitert ist, wagt er einen neuen Anlauf. Doch der neue Workshop startet ähnlich schleppend wie die erste. Die Kinder sind skeptisch und für Wortakrobatik nur schwer zu begeistern. Das Konzept von „Poesie“ oder „Lyrik“ erschließt sich für sie so wenig wie Fassnacht selbst: eine Art junger Lehrer, nur einige Jahre älter als sie, und scheinbar aus einer komplett anderen Welt. Begeisterung zeigen sie eher für ihre Smartphones und Tablets, YouTube oder Facebook, wo sich ein Großteil ihres Lebens abspielt.

In den wöchentlichen Treffen prallen zwei völlig unterschiedliche Wirklichkeiten aufeinander. Einerseits die von Lucas Fassnacht, der aus bürgerlichen Verhältnissen stammt und ein hochgebildeter junger Erwachsener ist. Andererseits die der fünf Kinder mit fünf verschiedenen Nationalitäten, deren Lebenswelt nicht selten von schwierigen Familiengeschichten und harten Lebensbedingungen geprägt ist. Abitur, Studium und „Kunstwelt“ treffen auf Mittelschule, soziales Abstellgleis und einen Stadtbezirk, der eher für schlechte Bildungs- und Aufstiegschancen bekannt ist. Langsam beginnen die Charaktere  aber, sich aufeinander zu zu bewegen. Die Kinder fassen Vertrauen, beginnen sich zu öffnen, erzählen von ihrem Leben und entwickeln auf ihre Art Begeisterung für das Schreiben.

Mit Interviews vor der Kamera, dem regelmäßigen Üben, Versuchen und Scheitern im Rahmen des Workshops beginnt sich eine Gemeinschaft zu formen. Nach und nach werden für die Kinder Ziele deutlich, die mit der Hilfe von Lucas Fassnacht immer erreichbarer scheinen. Er nimmt sie mit in „seine Welt“ des  Poetry Slams und lässt ihnen frei, wie weit sie ihn begleiten wollen. Sie begreifen, welches Potenzial in ihnen steckt und dass es tatsächlich von Interesse sein könnte, was sie zu erzählen haben. So wie Lucas können auch sie spannende Texte produzieren und vielleicht sogar eines Tages selbstbewusst auf einer großen Bühne stehen. Der Weg dorthin steckt jedoch voller Herausforderungen.

Gleichzeitig lernen sich Filmemacher und Kinder immer besser kennen. Gerade bei den Terminen außerhalb der Schule, bei denen uns die jungen Helden ihre ganz eigene Welt präsentieren, beweisen sie, dass in ihnen mehr steckt, als das, was sie in der Schule zeigen. Beim Sport, unterwegs in ihrem Viertel, im Jugendclub oder in der eigenen Familie spielt jeder eine andere Rolle als in der Schule. Am Ende wird sich zeigen, ob die „Heldenreise“ in den Kindern etwas bewirkt hat. Werden sich die Kinder mit ihren Texten behaupten? Wer wird kneifen? Und: Halten die zarten Bande, die in der Gruppe geknüpft wurden, auch abseits des Workshops? Hat sich am Leben der Kinder etwas geändert?